Vortrag Semivertikale Geschäftsmodelle
Martin Hesse referiert auf DTB-Veranstaltung
Am Mittwoch, den 18. Mai 2011 trafen sich wieder die Mitglieder des DTB, zu Gast bei Marc O’Polo in Stephanskirchen, um in ihrer Fachtagung ein weiteres strategisches Geschäftsfeld aus dem Bereich Textil und Bekleidung gemeinsam zu erörtern: „Semivertikale Geschäftsmodelle in der Praxis“
Der Erfolg von vertikal ausgerichteten Unternehmen ist bekannt, aber warum können semivertikale Geschäftsmodelle nicht ohne weiteres diese Erfolge verzeichnen?
Allein die unterschiedlichen Geschäftsmodelle, die zur Flächenbewirtschaftung in semivertikaler Struktur anwendbar sind, verlangen eine klare Definition und stringente Umsetzung sämtlicher Prozesse und lassen immer wieder einheitliche Standards in der operativen Abwicklung vermissen. Dies verdeutlichte Peter Niederhausen für GS1 in seinem Beitrag „Connecting Fashion Business“. Ein transparentes und effizientes Datenmanagementsystem ist das A und O und wesentlicher Erfolgstreiber. Hier spielen aber nicht nur die innovativen Technologien eine wichtige Rolle, vielmehr ist auch die partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Händler Voraussetzung für den gemeinsamen Erfolg.
Welches Potenzial mit innovativer Technik freizusetzen ist, zeigte Prof. Dr. Andreas Stockert in seiner Fallstudie zum Thema RFID auf, die im Rahmen dieser Tagung erstmals vor einem breiteren Kreis öffentlich vorgestellt wurde. Mit dem Ziel, mehr Kapazitäten am POS für den Service am Kunden freizusetzen, bewährt sich RFID der Fallstudie zu Folge vor allem in sämtlichen Zählvorgängen, aber auch bei der Auswertung des Kaufverhaltens und in Fragen des Shopkonzeptes, z.B. der Warenpräsentation und Wegeführung. Rund 20 % der positiven Auswirkung rechne man dem Bereich Logistik zu, während ca. 80% am POS zu verzeichnen seien. Dank dieser Technologie lassen sich auch detaillierte Erkenntnisse über das Kaufverhalten erzielen und Rückschlüsse auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse ableiten. Sämtliche Auswertungen in nahezu Echtzeit stellen eine permanente Transparenz der komplexen Prozesse für den Anwender dar. Da scheint es fast verwunderlich, dass das Thema RFID im Bereich Textil & Bekleidung noch nicht weit gestreut ist.
Sehr praxisorientiert wurden die unterschiedlichen Ausprägungen der semivertikalen Geschäftsmodelle von Martin Hesse, Tailorit, behandelt und das Für und Wider der jeweiligen Konstellationen herausgestellt. Wertvolle Win-Win-Situationen durch Kooperationen zwischen Hersteller und Händler sind dann zu erreichen, wenn Zuständigkeiten klar definiert sind und sich die Partner auf Augenhöhe begegnen. Wenn sich jeder Partner über die Motivation des anderen im Klaren ist, sollten sich faire Depotverträge schließen lassen, in denen sich die Parameter zur Flächenbewirtschaftung entsprechend wiederfinden.
Höhepunkt der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion. Ein hochkarätiger Fachkreis lieferte Erkenntnisse und tauschte Erfahrungen mit den Teilnehmern aus. Ganz nach dem Motto des DTB: „Dialog schafft Partnerschaft“.
An der von Wolfgang Mosebach, Lencos Executive Search GmbH moderierten Podiumsdiskussion zur Umsetzung der semivertikalen Geschäftsprozesse nahmen teil:
- Alexander Gedat, Marc O’ Polo
- Jana Hildenbrand, Marc O’Polo
- Rüdiger Hulla, Futura Retail Solution AG
- Jos Schols, Höltl Retail Solutions GmbH
- Daniel Gleichauf, Pranke GmbH
- Hannes Rambold, Mobi Media
Eines wurde während der Tagung schnell klar: Die konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Kunden verlangt vor allem bei diesem Geschäftsmodell eine integrierte und stringente Umsetzung. Sie muss zur Erfolgsmessung und Justierung der Prozesse transparent sein. Da sie in nahezu alle Geschäftsbereiche einfließt, muss sie von allen beteiligten Mitarbeitern getragen werden, um erfolgreich zu sein. Die richtige Technik zur Steuerung der komplexen Prozesse, die Schulung und Motivation der Mitarbeiter sowie ein partnerschaftlicher Umgang der Kooperationspartner auf Vertrauensbasis sind die Stellhebel für den Erfolg.
Als Fazit der Veranstaltung steht: Vertikalisierung bietet die Chance auf Sicherung, wenn nicht Verbesserung der Wettbewerbsposition in einem stagnierenden Markt.
Zitat:
„Wir werden das Thema weiter intensiv begleiten. Gemeinsam setzen wir uns für den jeweiligen Unternehmenserfolg unserer Mitglieder ein. Dieses Grundverständnis ist wesentlich für unseren partnerschaftlichen Dialog.“
Anna Nieß, Geschäftsführerin des DTB.


